Biografie
Milda Drüke
Milda Drüke, Jahrgang 1949, ging nach einer kaufmännischen Ausbildung in die USA, arbeitete in der Werbung, gründete 1982 die Firma Photo Management und segelte von 1986 bis 1990 um die Welt. Seither reist und recherchiert sie als Autorin und Fotografin. Ihre Reportagen erschienen im SZ-Magazin, in mare, marie-claire, Brigitte, Elle und anderen Zeitschriften. Buchveröffentlichungen: Die Gabe der Seenomaden. Bei den Wassermenschen in Südostasien (2002); Ratu Pedanda. Reise ins Licht – bei einem Hohepriester auf Bali (2004); Solomon Blue. Bei den Inselbewohnern Papua-Neuguineas (2007); Rot. Menschen in Kathmandu (2010).
Nach ihrer kaufmännischen Lehre verbrachte Milda Drüke ein Jahr als Au-pair in den USA. Zurück in Deutschland arbeitete sie als Bilddokumentarin bei der Bildagentur ZEFA und als Studio-Managerin in einem Studio für Werbefotografie, bevor sie ihre eigene Firma gründete. Von 1986 bis 1990 umsegelte sie auf der Stahlyacht „African Queen“ die Welt – eine Reise, nach der sie nicht in ihren alten Beruf zurückkehrte.
1991 absolvierte sie Praktika bei marie claire in München und bei Antenne Düsseldorf. Ab 1992 widmete sie sich wieder ganz dem Reisen: von den Anden bis in den Himalaja, über den Pazifik und den Indischen Ozean, um das Kap der Guten Hoffnung. Ihre Reportagen erschienen im SZ-Magazin, in Elle, marie claire, Brigitte, Segeln, Yacht und mare. Von 1994 bis 1997 lebte sie immer wieder mit den letzten nomadisch lebenden Seenomaden Indonesiens.
1999 verbrachte sie fünf Wochen auf einer Yacht in den östlichen Gewässern Papua-Neuguineas. Dort gab sie den Bau eines Segelkanus in Auftrag und begleitete ihn vier Monate lang – daraus entstand ihr Buch über eine melanesische Dorfgemeinschaft und ihre legendären Kanubauer. Seit 2001 schreibt und fotografiert sie Bücher: Die Gabe der Seenomaden (2002) wurde ein Spiegel-Bestseller, es folgten Ratu Pedanda (2004), Solomon Blue (2007) und Rot (2010).
Milda Drüke ist Autodidaktin. Um authentisch berichten zu können, schreibt und fotografiert sie selbst. Sie reist immer allein und ist unterwegs bewusst unerreichbar – so kann sie sich ohne Ablenkung auf die Menschen einlassen, mit denen sie lebt, „um die Natur von Meeren und Menschen zu erfahren“.
In der Zeitschrift mare erschienen von ihr unter anderem „Allein zwischen zwei Ozeanen“ (1997) über ihre Fahrt im Boot eines achtzigjährigen Seenomaden, „Der Wal“ (1998), eine wundersame Begegnung während einer Flaute, und „Die letzte Reise“ (2015) über seltene Fische Indonesiens auf dem Weg in die Schauaquarien von Luxusrestaurants in Hongkong.
Nicht ausgestiegen – umgestiegen …
Ein biografischer Auszug aus: Die Gabe der Seenomaden. Bei den Wassermenschen in Südostasien. Spiegel-Bestseller. Übersetzt ins Japanische und Koreanische.
Über den Walliser Alpen, in einem roten Hubschrauber der Air Zermatt fing meine Reise zu den Seenomaden an. Es war Sommer. Ich war verantwortlich für die Koordination eines Shootings, einer Produktion von Werbefotos für Zigaretten. Der Hubschrauber stieg in die Leere des Himmels, flog plötzlich über Gletscher, Gipfel – stille Inseln, die bis zum Horizont im Luftmeer lagen, milchweiß beschienen von einer verschleierten Sonne, eine entrückte Realität, die lautlos sprach. Das Dröhnen der Rotoren hörte ich nicht mehr. Alles ordnende Denken war dem Staunen gewichen. Was ich sah, sank mir unablässig in den Körper, in das Bewusstsein. Das Erhabene entwaffnete mich. Niemals vorher war ich so schlicht Ich selbst gewesen. Der Pilot flog einen Bogen, und plötzlich sah ich etwas in der weißen Weite des unter uns liegenden Gletschers, etwas, was dort nicht hingehörte: das Fototeam. Ich registrierte den Baum, den ich hatte fällen und herauf fliegen lassen, den Weltmeister im Motorrad-Spike-Fahren, an seine Maschine gelehnt, die uns als Requisite dienen sollte, ebenso wie die Schlittenhunde, ihren Besitzer, Art Director, Fotografen, Stylisten, Make-up Artist, Modelle, Bergführer. Mit dem, was dort unten geschah, hatte ich mich bis vor einem Augenblick identifiziert. Jetzt hockte unerwartet und beunruhigend eine Frage in meinem Kopf: Bin das wirklich ich?
Sie nistete sich ein, machte sich bemerkbar in den unpassendsten Augenblicken, etwa dann,wenn der Erfolg blühte, oder während der vergnüglichen Arbeit an einem Strand von Hawaii oder in der Wüste. Sie kam nie ohne den tiefen Wunsch nach Weite, Luft, Selbstbestimmung, obwohl ich davon vordergründig gesehen doch schon vieles hatte. Ich fürchtete, diese Frage könnte mir den Enthusiasmus für meinen Beruf nehmen. Was würde ich anderes tun wollen?
So verging ein Jahr. Ich sprach mit niemandem über meine Gedanken, bis der Mann, der mein Partner war, mir von seinem Traum aus der Kindheit erzählte, den er immer noch träumte, aber nicht allein verwirklichen konnte. Er wünschte sich, einmal um die Welt zu segeln. Das passte zu meiner Vision.
Spontan beschloss ich meine Firma zu verkaufen. Im Frühjahr 1986 setzten wir uns zum Ersten Mal mit der Absicht in meine Auto, in Frankreich ein gebrauchtes Schiff zu finden. Im Sommer unterzeichneten wir einen Vertrag für den Kauf einer 12 Meter langen Stahlyacht. Ich verkaufte bis auf weniges alles, was ich hatte. Am 15. August 1986 stiegen wir in La Rochelle auf unser Schiff, die „African Queen“, Ende offen, wir hatten keine Deadlines mehr.
