Reportagen

Hotel Droog - the one and only bedroom

Der Weg zum „one and only bedroom“ im Hotel Droog ist weit und labyrinthisch. Streckenweise kulinarisch. Immer einer, auf dem Gäste droog-Design sehen und prompt nutzen. Wer ihn geht, wer in dem einen und einzigen Hotelzimmer übernachten möchte, wird Akteur in einer gestalt-gewordenen Idee.

Es beginnt mit dem Überschreiten der Schwelle des Hauses Staalstraat 7B in Amsterdam. Dem Schritt durch die Backstein-Fassade aus dem frühen 16. Jahrhundert in die türlose Weite hoher, weißer Räume unserer Zeit. Unversehens finden sich Gäste zwischen Objekten des droog-Design-Kollektives in der Galerie. Neue Produkte vertrauter Designer, oder jüngst in das Kollektiv aufgenommener Talente werden hier jeden Monat kuratiert.

Das Droog Hotel bucht, wer Droog Design sucht. Lobby und Rezeption suchen Gäste vergebens. Wo einchecken, um dann durch Galerie und angrenzenden Shop zu streifen? Zunächst in das gelbgrün leuchtende Treppenhaus gehen. Der erste Treppenabsatz endet vor dem Fenster mit Aussicht auf den Fairy Tale Garden im Innenhof. Die zweite Treppe in der Küche, dem Café Droog. Alles weiß. Farbe hat das blaue Sofa, die Kleidung der Besucher, die an weißen Tischen auf weißen Stühlen auf weiß-blauen, rechteckigen Teppich-Inseln sitzen. Die feuerrote Schale mit frischen Orangen: Form und Unebenheiten mittelalterlichen Töpferhandwerks aus Bergen op Zoom in Plastik übertragen. Da ist der lange Holztisch mit pfannen-großen, russ-schwarzen Droog-Design-Brandflecken. An ihm sitzen vor Laptop und Papierkram Laura und Jurgen. Sie Chefin vom Ganzen, Chefin der Küche; er Hüter des Fairy Tale Gardens und Manager des one and only bedrooms. Eintreffende Gäste geben gern der Lust nach erst einmal Platz zu nehmen, Kaffee zu trinken. Fast alles, was sie sehen, in die Hand nehmen, mit Füßen treten, ist Droog Design und im Shop zu haben.

Jurgen fragt nicht nach Pass oder Kreditkarte. 350 Euro für eine Übernachtung sind seit Reservierung abgebucht. Er führt Gäste am Ende des Cafés links über Stufen in einen fast leeren Raum - weiß, hoch, licht. Rote Stoffbahnen hängen von der Decke. Auf dem Boden ein Baumstamm. Drei bronzene Stuhllehnen stecken in der Rinde. Wie sitzt es sich drauf? „Setzen wir uns,“ sagt Jurgen und weil es bequem ist, stehen die Gäste nicht wieder auf und er sagt: „Wir liefern Design und Lehnen. Den Stamm muss, wer das Objekt für 12.900 Euro kauft, selbst finden.“ Den Raum, erzählt er, vermiete Droog wie das Café ab 19.00 Uhr für Präsentationen, Lesungen, Debatten, Essen.

Weiter gehts. Noch ein mietbarer Raum. Weiße Reliefwände. Integrierte Bildschirme für Promotion. Unter der Decke blaue Vögel im Flug ohne davon zu fliegen. Noch eine Treppe, dann die Bibliothek. Ort für private Dinner zwischen dunkler Tapete auf der Rosen blühen wie auf Bildern alter Meister im Rijksmuseum. Auch Ort für Meetings. In der Bücher-Wand: weißes Buch an weißes Buch, vorderer Schnitt voran. „Klassische Romane, die nie geschrieben wurden“. So ein leere-Seiten-Buch kann herausnehmen, wer einen Gedanken notieren möchte. Oder was er unten im Fairy Tale Garden sieht, wenn er hier aus dem Fenster schaut.

Noch eine Treppe. Noch eine. Jurgen übergibt den Schlüssel zum one and only bedroom. 55qm Dachwohnung. Weiße Dielen, weiße Wände, weiße Kacheln in offener Küche. Das breite Fensterband bringt Gäste auf Augenhöhe mit Giebel-Bogen-Landschaft. Ganz nah der Himmel. Stille. Auf langem Holztisch das nie gelegte Puzzle: alle Teile weiß. Drei Farben hat das Sofa. Der Hocker eine: senf. Im Schlafraum leuchtet der Kleiderbügel unter dem Bademantel. Im weißen Bad mit schwarzen Armaturen treten die nackten Füße auf schwarze Kacheln mit schwarzen Wassertropfen - erhabenen - aus geschmolzenem Glas. Schlüpfen mit massierten Sohlen in die Fußtaschen der Badematte - „Go slow“.

Übersetzt heißt droog: trocken. „So, wie wir Niederländer sind“, sagt Mitarbeiter Juri. „droog Design ist simpel, funktional mit nem Tick Humor.“ Design-Historikerin Renny Ramakers und Produkt Designer Gjis Bakker haben droog Design 1993 in die Welt gesetzt. Plattform für junge Talente, die sie fördern. droog Collection umfasst mehr als 200 Produkte von mehr als 100 Designern. Manche Objekte finden sich im MoMA New York.

2005 schufen Ramakers und Bakker das Hotel Droog. Räume, in denen Galerie und Shop droog Design nicht bloß zur Schau stellen. Ein jeder soll die Produkte unter alltäglichen Bedingungen handhaben können. Zwischen ihnen essen, schlafen, diskutieren. Ihre spezifische Sprache durch Gebrauch verstehen. Oder mal lachen. Z.B. im Shop, wenn im Aquarium zwischen Seegras und flitzenden Fischen weiße Stühle um den weißen runden Tisch auf Sandboden stehen. Designer des Droog-Kollektives, nach China gereist, um chinesische Kultur zu kopieren, sahen in jedem Restaurant ein Aquarium stehen - Symbol für Wohlstand und Glück. Die droog-Kopie: das China-Restaurant im Aquarium.

Im Rahmen des Projekts „The New Original“ entstand auch die Kopie der chinesischen Laterne. Nicht aus Papier, aus Glas. Transformiert in modernes Design.

Müde vom Streifzug durch Hotel Droog? „ESCAPE IN THE FAIRY TALE GARDEN“. Alles grün zwischen weißen Fassaden im Innenhof. Drahtblumen blühen zwischen üppigen Gräsern. Unter Bäumen. Vielfalt natürlicher und künstlicher Elemente. Funktionelle. Sie ziehen Vögel an, Schmetterlinge, Insekten. Nähren, tränken, beherbergen sie. Gäste wandeln auf verschlungenem, jeden Laut verschluckenden Pfad. Verweilen auf schwarzen Hockern an schwarzem Tisch - lauschen dem Zauber der Stille.